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Bernd Czorny: Ernst Lohoff und der methodologische Individualismus [de, pt]


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Bernd Czorny

Ernst Lohoff und der methodologische Individualismus

Im März des Jahres 2012 legten Ernst Lohoff und Norbert Trenkle, die beiden tragenden Personen der wertkritischen Gruppe „Krisis“, ihr bislang letztes Buch „Die große Entwertung“ vor. Dieses Buch ist mit dem Untertitel „Warum Spekulation und Staatsverschuldung nicht die Ursache der Krise sind“ versehen. Offensichtliches Ziel ist die Darstellung und Analyse der Krisenprozesse im Kapitalismus der dritten industriellen Revolution und die Beseitigung gängiger Vorurteile. Das Buch besteht aus drei Teilen.

Im ersten Teil, der von Norbert Trenkle verfasst wurde, werden einige grundlegende Begriffe erläutert, die für das Verständnis der historischen Dynamik des Kapitalismus und des ihr zugrunde liegenden, inneren Selbstwiderspruches unentbehrlich sind. Auf Basis dieser Darstellung wird im Folgenden beschrieben, wie im Kapitalismus der dritten industriellen Revolution eine sich aus dem prozessierenden Widerspruch zwischen der Reduzierung von Arbeitszeit durch Produktivitätssteigerung und der Notwendigkeit der Ausdehnung von Arbeitszeit im Sinne der Kapitalverwertung entwickelnde Dynamik zu einer grundlegenden Strukturkrise führt.

Der zweite Teil, der von Ernst Lohoff verfasst wurde, widmet sich einer genaueren Analyse des fiktiven Kapitals, ausgehend von der Marxschen Analyse im dritten Band des „Kapitals“. In seiner Analyse der Eigentumstitel, aus denen sich das fiktive Kapital zusammensetzt, benennt Lohoff diese als eine besondere, zusätzliche Kategorie von Waren, was auch Gegenstand einer kritischen Betrachtung in der vorliegenden Rezension ist. In diesem Zusammenhang stellt Lohoff das Theorem der „Waren 2ter Ordnung“ auf, deren Spezifikum darin besteht, zukünftigen Wert zu repräsentieren. Das verbindet Lohoff, so seine Ankündigung, mit der Untersuchung, ob und unter welchen Umständen dieser Vorgriff auf die Zukunft eingelöst werden kann und wo die logischen Grenzen hierfür liegen.

Im dritten Teil, der ebenfalls von Ernst Lohoff verfasst wurde, werden Stellenwert und Funktion des fiktiven Kapitals in der historischen Entwicklung des Kapitalismus dargestellt. „Die große Entwertung“ schließt mit einigen Thesen zur gesellschaftlichen Emanzipation. Meine Rezension befasst sich vorwiegend mit dem zweiten Teil des Buches, weil dort der theoretische Schwerpunkt des Buches liegt.

Am Schluss des ersten Teils des Buches wird plastisch anhand von Zahlen nachgewiesen, dass der Kompensationsmechanismus im Kapitalismus, der unter anderem darin bestand, die Reduzierung abstrakter Arbeit durch Produktivitätssteigerung mittels Erweiterung der Märkte zu kompensieren, in der dritten industriellen Revolution zum Erliegen gekommen ist. (vgl. Lohoff/Trenkle 2012, 90ff.) Hieraus leitet Trenkle ab, dass aufgrund des in der dritten industriellen Revolution erreichten und sich beschleunigt steigernden Produktivitätsniveaus, die unmittelbare Arbeit in der Produktion als Quelle der Wertproduktion zunehmend versiegt. Trenkle beschreibt hierbei letztlich die innere Schranke des Kapitals.

Zu Beginn des zweiten Teils des Buches stellt Lohoff fest, dass dem Finanzkapital im Kapitalismus der dritten industriellen Revolution eine den Reproduktionsprozess offensichtlich dominierende und damit völlig neue Rolle zukommt: „Mit dem Beginn der 1980er Jahre jedoch stieg der Finanzsektor zur Wachstumsbranche par excellence auf und löste die fordistischen Industrien als ‚Schlüsselindustrie‘ des kapitalistischen Gesamtsystems ab.“ (Lohoff/Trenkle 2012, 110) Lohoff behauptet, daraus ableitend, dass der Finanzsektor als die neue „Schlüsselindustrie“ die erlahmende Wachstumsdynamik in der „Realwirtschaft“ ersetzte. Offensichtlich steckt hinter dieser These Lohoffs Annahme, dass der Finanzsektor einen Sektor der Industrie darstelle wie jeder andere auch. Konsequenterweise entwickelt Lohoff das Theorem der „Waren 2ter Ordnung“. Ausgehend davon, dass Marx im dritten Band des „Kapital“ die Untersuchungen zum fiktiven Kapital nicht abschließen konnte, versucht nun Lohoff diesen „blinden Fleck“ zu beseitigen, indem er mittels des Theorems der Waren 2ter Ordnung die Besonderheiten des Finanzkapitals zu beschreiben versucht. Dabei ordnet Lohoff den Waren 1ter Ordnung alle gewöhnlichen Güter zu, die als Waren produziert und konsumiert werden. Diesen Warenkosmos, wie er es bezeichnet, erweitert Lohoff nun um die Waren 2ter Ordnung. Die Waren 2ter Ordnung beinhalten Eigentumstitel aller Art, die zumeist Kredite und Aktien sind. Hierbei erinnert Lohoff an die bekannte Tatsache, dass gewöhnliche Waren, also Waren 1ter Ordnung, bereits vergegenständlichte Arbeit darstellten, während Eigentumstitel, also Waren 2ter Ordnung, einen Vorgriff auf künftigen Wert, auf künftige abstrakte Arbeit bedeuteten.

In seiner weiteren Analyse geht Lohoff davon aus, dass die Ware an sich keine völlig neue Erscheinung sei, sondern bereits in der Vormoderne eine Nischenerscheinung gewesen wäre. Da aber, so Lohoff, die Ware in Nischenform in der Vormoderne bereits existierte, kommt er zur Schlussfolgerung, dass der Kapitalismus sich erst dann ausbildete, als die Warenproduktion allgemeinen Charakter annahm, und damit die Geldgestalt, aber vor allem die Arbeitskraft selbst, zur Ware wurde (vgl. Lohoff/Trenkle 2012, 119), ein Erkenntnisstand der jedoch bereits bei Lukács (Lukács 1967, zuerst 1923, 98) vorlag. Berücksichtigt man jedoch neuere Erkenntnisse mit Bezug auf Karl Polanyi (Polanyi 1978), Marcel Mauss (Mauss 1990, zuerst 1923/24), Bernhard Laum (Laum 2006, zuerst 1924) und weiterführend Christoph Türcke (2015), Ernst H. Kantorowicz (Kantorowicz 1990, zuerst 1957) und schließlich Jacques Le Goff (Le Goff 1988 und 2011) so ergibt sich ein völlig anderes Bild, welches in Robert Kurz‘ letztem Buch „Geld ohne Wert“ (Kurz 2012) zusammenfassend dargestellt ist. Die Vormoderne war keine Vorstufe zur Moderne, in der Keimformen, wie auch immer geartet, den Weg zur Moderne eröffneten. Vielmehr vollzog sich im 17. Jahrhundert die Entwicklung zur Moderne in einem historisch einmaligen Umschlag, der sich allerdings in vorangegangenen Jahrhunderten vorbereitete und die Ökonomie – mit der Kapitalverwertung als ihrem wesentlichen Kern – als einen von der Gesellschaft getrennten und die Gesellschaft beherrschenden Bereich hervorbrachte; ein umwälzender Prozess, der nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Menschen kulturell bis in die Psyche hinein radikal umformte. Dies wurde exemplarisch bei Eske Bockelmann (vgl. Bockelmann 2004) dargestellt. Bockelmann beschreibt die durch die Abstraktion am Geld bewirkte tiefgreifende Veränderung im Denken und in der Psyche der Menschen. Foucault (vgl. Foucault 2012 zuerst 1971) hingegen beschreibt die Herausbildung einer Disziplinargesellschaft und die damit bewirkte Verinnerlichung von Normen, welches das Bewusstsein der Menschen ebenfalls grundlegend veränderte. Das Geld selbst, dem im Kapitalismus eine zentrale Bedeutung zukommt und das dem „nicht sichtbaren und ausdrückbaren Wert erst seine abstrakte, allgemeine Wertgestalt in sinnlich-stofflicher Form verleiht“, (Kurz 2012, 214) gab es in der Zeit wohl bis zur Renaissance so nicht. In der Zeit bis zur Renaissance war das Geld, wie Laum und Türcke überzeugend nachweisen, Ausdruck sakral definierter Verpflichtungsverhältnisse. „Es war diese Verschmelzung der heraufdämmernden unheiligen Dreieinigkeit von Kanonen, Staatlichkeit und Geld, die zur Geburt des monströsen Kapitalfetischs führte.“ (Kurz 2012, 119)

Im Konstituierungsprozess des Kapitalismus wurde das Geld aus eben diesen Verpflichtungsverhältnissen gelöst, und brachte das Prinzip, aus Geld mehr Geld zu machen, hervor, welches sich als „automatisches Subjekt“ (Marx) konstituierte und damit immer mehr Güter in Waren verwandelte; in diesem Prozess brachte das Geld in seiner Mutation zur Ware erst die allgemeine Warenproduktion hervor und verwandelte gleichzeitig selbst die Produzenten zu einer Art Ware womit der Konstitutionsprozess des Kapitalismus abschloss. (vgl. Kurz 2012, 112 ff.)

Insofern kann hier von einem zweistufigen Prozess der Kommodifizierung, der des stofflichen Reichtums und dann der der Verwandlung des Geldes in eine Ware, nicht die Rede, denn das Geld war in seiner Herauslösung aus den alten Verpflichtungsverhältnissen der Auslöser des Konstitutionsprozesses des Kapitalismus. Gerade eben nicht dadurch, dass der kapitalistische Drang, allen Reichtum in Waren und schließlich auch die Geldgestalt in eine Ware verwandelte, sondern umgekehrt die Ur-Ware Geld selbst, die von Beginn an das kapitalistische Prinzip, aus Geld mehr Geld zu machen, verkörperte, verwandelte alle Güter, einschließlich die Arbeitskraft, in eine Ware.

In diesem Konstitutionsprozess des Kapitals bildete sich das „automatische Subjekt“ „als eine prozessierende, sich selbst bewegende Substanz“ (MEW 23, 159) auf der Ebene und nur auf der Ebene des Gesamtkapitals heraus. Genau das beachtet Lohoff, dem methodologischen Individualismus folgend, nicht, so dass die beiden oben beschriebenen Fehlschlüsse damit möglich werden.

Der methodologische Individualismus ist dadurch charakterisiert, dass bei der Analyse oder Erklärung gesellschaftlicher Verhältnisse Einzelfälle oder Einzelerscheinungen zu einem Modell für das Ganze erklärt werden, welches zumindest drei entscheidende Mängel zur Konsequenz hat: erstens: die damit verbundene Einnahme einer Froschperspektive im Blick auf das Ganze lässt eben das Ganze nur als die Summe aller Einzelfälle erscheinen, d. h. das Ganze wird von den Einzelfällen bestimmt und nicht umgekehrt; zweitens: der Kontext, in dem der Einzelfall tatsächlich steht, wird ausgeblendet, aber unterschiedliche Kontexte müssen immer jeweils die Einzelfälle beeinflussen; und schließlich drittens verbleibt stets eine Unklarheit, welchen Allgemeinheitsgrad der betrachtete Einzelfall tatsächlich hat und ob dieser Einzelfall wirklich als „Zellform“ einer Allgemeinheit oder eines übergreifenden Zusammenhanges gelten kann. (vgl. Kurz 2012 63)

Lohoff geht, wie gesagt, den umgekehrten Weg, in dem er einen Kommodifizierungsprozess des stofflichen Reichtums zur Ware und dann das des Geldkapitals in eine eigene Ware annimmt, anstatt den Konstituierungsprozess des Gesamtkapitals als Ausgangspunkt zu nehmen. Diesen Prozess meint er fortschreiben zu müssen, indem er eine dritte Stufe der Kommodifizierung bestimmt, und zwar die der Herausbildung des fiktiven Kapitals als Ware, welches im Kapitalismus der dritten industriellen Revolution eine dominierende Rolle spielt. Wie wir später sehen werden, versperrt sich Lohoff damit den Weg zu einer objektiven Krisentheorie.

Lohoff nimmt also nicht den Gesamtprozess des Kapitals als Voraussetzung der Bewegung der Einzelkapitale und der Einzelwaren in den Blick. Denn wenn das Kapital die wirkliche Voraussetzung der Warenform ist, dann muss das „Gesamtkapital“ oder der „Gesamtprozess“ des Kapitals die wirkliche Voraussetzung des Einzelkapitals und damit auch der Einzelware sein, denn die Realkategorien des Kapitals sind damit von Anfang an und auf allen Ebenen seiner Darstellung nur als Kategorien des gesellschaftlichen Ganzen, des Gesamtkapitals und seiner Bewegung als Gesamtmasse zu verstehen. „Erst das Gesamtkapital und nur das Gesamtkapital, das fetischistische Ganze, ist die kategoriale Entität.“ (Kurz 2012, 177)

„Die von Marx theoretisch dargestellten Realkategorien des Kapitals sind deshalb von Anfang an und auf allen Ebenen der Darstellung nur als Kategorien des gesellschaftlichen Ganzen, des Gesamtkapitals und seiner Gesamtbewegung als Gesamtmasse zu verstehen, die unmittelbar empirisch nicht erfasst werden kann, weil sie qualitativ und quantitativ gleichermaßen etwas anderes ist als die empirische Bewegung der Einzelkapitale. Letztere jedoch ist allein, die für die Akteure praktisch erscheint, während die wirkliche Bewegung des realen Gesamtkapitals empirisch nur indirekt erfassbar ist an ihren gesellschaftlichen Wirkungen.“ (Kurz 2012, 177) Folglich kann Gesamtkapital und seine Bewegung von den Akteuren nicht unmittelbar erfasst werden. Indem das Gesamtkapital als Gesamtkomplex apriorisch gegeben ist, also der „Gesamtprozess“ als Kapitalfetisch oder „automatisches Subjekt“ die wirkliche Voraussetzung ist, wird die Bewegung des Gesamtkapitals über die Konkurrenz am Markt auf die grundlegende Bewegung der Einzelkapitale vermittelt, deren Erfolg wie deren Scheitern verweist insofern gleichermaßen auf die vorgegebene Voraussetzung des gesellschaftlichen Charakters.

 

Lohoff aber verharrt mit seinem Theorem von den Waren 2ter Ordnung auf der Ebene der Ware und des Einzelkapitals, sein Ausgangspunkt ist in keiner Weise das Gesamtkapital oder der Gesamtprozess des Kapitals. Wie später noch erkennbar sein wird, führt die begriffliche Gleichsetzung von Ware und Eigentumstitel als Ware 1ter und Ware 2ter Ordnung Lohoff und Krisis auf eine falsche Fährte, weil durch die Gleichsetzung der Begriffe „Ware“ und „Kapital“ zum Begriff „fiktives Kapital“ diese zwangsläufig auch inhaltlich gleichgesetzt werden, was wiederum zu falschen Schlussfolgerungen führen muss.

Gleichfalls verfehlt Lohoff durch das Verharren im methodologischen Individualismus auch den Substanzbegriff. Die bekannte Marxsche Bestimmung der Wertsubstanz als Verausgabung von Nerv, Muskel, Hirn erweist sich nämlich als wesentliche Voraussetzung für die schlüssige Formulierung einer radikalen Krisentheorie, die objektive Sachverhalte zur Basis hat.

Ausgangspunkt ist die bei Krisis und Exit übereinstimmende, schon oben erwähnte Feststellung, dass herkömmliche Waren bereits vergegenständlichte Arbeit darstellen, während Eigentumstitel einen Vorgriff auf zukünftige abstrakte Arbeit bedeuten. Die differenten Konsequenzen dieser Aussage werden aber erst deutlich, wenn man eben diese Aussage unter dem Aspekt des Substanzbegriffs des Kapitals beleuchtet. Denn Marx bestimmt im ersten Band des „Kapital“ den Wert einer Ware als eine „gespenstige Gegenständlichkeit, eine bloße Gallerte unterschiedsloser menschlicher Arbeit, d. h. der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ohne Rücksicht auf die Form ihrer Verausgabung." (MEW 23, 52) Der Begriff der abstrakten Arbeit ist also negativ gefasst, er abstrahiert die Ware von ihren körperlichen Bestandteilen und Formen, alle sinnliche Beschaffenheit ist damit ausgelöscht, die Ware ist auch nicht länger Produkt einer bestimmten produktiven Arbeit, wie Tischlerarbeit oder Bauarbeit. „Mit dem nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet der nützliche Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten, es verschwinden also auch die verschiedenen konkreten Formen dieser Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern sind allzusamt reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, abstrakt menschliche Arbeit.“ (MEW 23, 52) Damit bleibt nur, „daß sie eine Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ist“ und „obgleich qualitativ verschiedne produktive Tätigkeiten, sind beide [Schneiderei und Weberei, BC] produktive Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand usw., und in diesem Sinn beide menschliche Arbeit.“ (MWE 23, 58f.) Daraus leitet sich die Substanz des Wertes und damit diejenige des Kapitals ab.

Am Substanzbegriff aber scheiden sich offensichtlich die Geister: Moishe Postone, dem nach Rosdolsky, Backhaus, Reichelt u. a. bei der Neuinterpretation der kritischen Theorie von Marx große Verdienste zukommen, steht dem Substanzbegriff kritisch gegenüber, er schreibt deswegen: „Darüber hinaus sind die Bestimmungen der abstrakt menschlichen Arbeit, wie er [Marx, BC] sie im 1. Kapitel des Kapitals ausführt, äußerst problematisch. Es scheint hier als stelle in diesem Kontext Arbeit so etwas wie ein biologisches Residuum dar, so daß sie als bloße Verausgabung menschlicher physiologischer Energie interpretiert werden müsse. … Gleichzeitig macht Marx aber auch unmißverständlich klar, daß wir es hier mit einer gesellschaftlichen Kategorie zu tun haben. Er bezieht sich dabei auf die abstrakt menschliche Arbeit, insofern sie die Warenwerte konstituiert als deren ‚gemeinschaftliche gesellschaftliche Substanz‘. … Wenn indes die Kategorie der abstrakt menschlichen Arbeit eine gesellschaftliche Bestimmung ist, dann kann sie keine physiologische Kategorie sein. Darüber hinaus bestätigt … das Ergebnis meiner Interpretation der Grundrisse (im 1. Kapitel dieser Studie), daß es für die Marxsche Analyse von zentraler Bedeutung ist, den Wert als eine historisch spezifische Form gesellschaftlichen Reichtums zu verstehen.“ (Postone 2003, 224f., Herv. bei Postone) Lohoff und Krisis schließen sich offensichtlich dieser Auffassung an!

Postone kann die Frage nicht beantworten, wie eine Verminderung oder Vermehrung der „abstrakten Arbeit“ ohne Substanz erklärt werden kann, denn „damit etwas vermehrt oder vermindert werden kann, muss es substantiell wirklich in einem materiell-inhaltlichen Sinne da sein.“ (Kurz 2004, 62) Zudem verkennt Postone, dass gesellschaftliche Kategorien immer auch die menschliche Naturbasis miteinschließen. Insofern ist alle Arbeit „einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn, und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert. Alle Arbeit ist andrerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besondrer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.“ (MEW 23, 61) Folglich ist laut Marx eben die Substanz des Kapitals nun mal die abstrakte Arbeit. Weiterhin verkennt Postone, dass die „produktive Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand usw.“ (MEW 23, 58) selbst bereits eine Realabstraktion ist, weil sie eine Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ohne Rücksicht auf die konkrete Form ihrer Verausgabung bedeutet.

Abstrakte Arbeit ist für Postone eben nicht Bildnerin einer Substanz, der menschlicher Energieverausgabung, abstrakte Arbeit hat für ihn lediglich eine rein vermittelnde Funktion: „Arbeit selbst konstituiert eine gesellschaftliche Vermittlung anstelle transparenter gesellschaftlicher Verhältnisse. … Damit besetzen die Arbeit und ihre Produkte im Resultat die Funktion der Vermittlung anstelle manifester gesellschaftlicher Verhältnisse. Statt durch transparente oder ‚erkennbare‘ gesellschaftliche Verhältnisse vermittelt zu sein, wird die warenförmige Arbeit durch eine Reihe von Strukturen vermittelt, die sie … selbst konstituiert.“ (Postone 2003, 232, Herv. i. O.) Nach Postone also bezeichnet Marx die Funktion der Arbeit als gesellschaftlich vermittelnde Tätigkeit als abstrakte Arbeit. Damit umgeht Postone den Substanzbegriff: „Da Arbeit eine Tätigkeit ist, die sich notwendigerweise in Produkten vergegenständlicht, ist die Funktion warenförmiger Arbeit als einer gesellschaftlich vermittelnden Tätigkeit untrennbar mit dem Akt der Vergegenständlichung verbunden: in demselben Prozess, in dem sie sich als konkrete Arbeit in besonderen Gebrauchswerten vergegenständlicht, objektiviert sich die warenproduzierende Arbeit als abstrakte Arbeit auch in gesellschaftlichen Verhältnissen.“ (Postone 2003, 238)

Aber entscheidend ist: eine Krisentheorie ist ohne die Darstellung der historischen Verminderung der Arbeitssubstanz als Wertsubstanz des Kapitals und damit der Entsubstantialisierung des Kapitals, nicht formulierbar, die innere Schranke des warenproduzierenden Systems ist damit schlicht nicht objektiv begründbar, wie wir später sehen werden.

Postone geht davon aus, dass Marx die Produktion im Kapitalismus, ausgehend von der Unterscheidung zwischen Wert und stofflichem Reichtum, abstrakter und konkreter Arbeit, als einen widersprüchlichen Prozess analysiert, der durch „die Dialektik der beiden Dimensionen der Warenform“ konstituiert wird. (Postone 2003, 450) Jedoch anstatt zu schlussfolgern, dass jeder neue, höhere Stand der Produktivität immer weniger abstrakte Arbeit für eine wachsende Menge stofflichen Reichtums erfordert, spricht Postone von einer Bewahrung des Wertes, indem er als Determinante der Gesellschaftsformation kontinuierlich rekonstituiert wird. „Dieser Prozess der Rekonstitution, der die Bewahrung des Werts und der mit ihm verbundenen Formen abstrakter Herrschaft beinhaltet, ist trotz der Entwicklung der Gebrauchswertdimension den grundlegenden gesellschaftlichen Formen des Kapitalismus strukturell inhärent. Bei der Untersuchung der abstraktesten Bestimmungen der Dynamik der kapitalistischen Gesellschaft hinsichtlich der Interaktion dieser beiden Dimensionen haben wir gesehen, wie jedes neue Produktivitätsniveau sowohl die gesellschaftliche Arbeitsstunde neu bestimmt, als auch selbst durch den abstrakten Zeitrahmen wiederum als Basisniveau der Produktivität neu bestimmt wird.“ (Postone 2003, 450) Das heißt also, dass mit ständig steigenden Produktionsniveaus der Wertrahmen fortwährend aufs Neue rekonstituiert wird. (vgl. Postone 2003, 451) Eine solche Aussage ist aber nur möglich, wenn der Substanzbegriff fallen gelassen wird, damit verschließt sich Postone einer Krisentheorie.

Während Postone den Substanzbegriff letztlich nicht besaß, behält Lohoff diesen bei, jedoch in Bezug auf Eigentumstitel in einer merkwürdig widersprüchlichen Form: „Bei der Kreation des fiktiven Kapitals findet vielmehr etwas viel Einfacheres und zugleich wesentlich Ungeheuerlicheres statt. In der Wunderwelt der Waren 2ter Ordnung ist die für das fungierende Kapital charakteristische zeitliche Ordnung auf den Kopf gestellt. In der abgedrehten Form des fiktiven Kapitals kann lebendige Arbeit verrückterweise bereits vor ihrer Vernutzung kapitalisiert werden und den vorhandenen gesellschaftlichen Kapitalstock vergrößern. Nicht der notwendige Zusammenhang von Kapitalvermehrung und Arbeitsverausgabung ist durch das fiktive Kapital also dementiert, sondern nur die Bedingung, dass lebendige Arbeit schon verausgabt sein muss, bevor sie als Kapital akkumuliert werden kann, ist hier außer Kraft gesetzt. Auch das fiktive Kapital hat Arbeitssubstanz zur ‚Substanz‘, allerdings abstrakte Arbeit, die noch gar nicht verrichtet worden ist und bei der völlig offen bleibt, ob das jemals geschehen wird. Die Waren 2ter Ordnung stehen also gesamtkapitalistisch betrachtet für das Kunststück der Vorabkapitalisierung noch gar nicht geschaffenen künftigen Werts.“ (Lohoff/Trenkle 2012, 142; Herv. i. O.) Dem ist zu entgegnen, dass das, was auf der empirischen Ebene des Einzelkapitals möglich scheint, auf der kategorialen Ebene des Gesamtkapitals letztlich widerlegt wird, da „in der scheinbar endlosen erweiterten Reproduktion des Kapitals oder im Kreislauf seiner die Akkumulation tragenden Metamorphosen der Wertgestalt eine Lücke klafft, die durch imaginären, substanzlosen Wert zeitweilig überbrückt wird, und zwar gleich doppelt: Die mangelnde Nachfrage wird durch Kredit in einer nicht mehr einlösbaren Größenordnung substituiert; da dieser so schein-realisierte Wert aber nicht für die Vorauskosten der nächsten Produktionsrunde … ausreicht, müssen auch diese durch Kredit in einer ebenfalls nicht mehr einlösbaren Größenordnung substituiert werden. Obwohl sich oberflächlich betrachtet der Kreislauf des Kapitals trotz Friktionen fortsetzt, gähnt zwischen Vergangenheit und Zukunft der Wertsubstanzbildung ein schwarzes Loch.“ (Kurz 2012, 339)

Wie also kann fiktives Kapital Substanz haben, wenn die substanzbildende abstrakte Arbeit noch nicht verrichtet wurde? Diese Erklärung bleibt Lohoff uns schuldig. Vielmehr offenbaren sich hier die Konsequenzen des Verharrens im methodologischen Individualismus, der offensichtlich, wie man oben erkennen kann, die Bedingung fallen lässt, dass lebendige Arbeit verausgabt sein muss, bevor sie als Kapital akkumuliert werden kann. Auf der empirischen Ebene des Einzelkapitals scheint dies ohne Bedeutung zu sein; auf der Ebene des Gesamtprozesses, des Gesamtkapitals, ist diese Bedingung wesentlich, weil sonst die Metamorphose unvollständig bleibt, denn, wie bereits oben erwähnt, kann die damit entstehende Lücke nur zeitweilig und vorläufig durch imaginären, substanzlosen Wert überbrückt werden. Wird diese Lücke nicht geschlossen, dann wird das immer weitere Aufreißen der Kluft zwischen Vergangenheit und Zukunft zu einem alles verschlingenden schwarzen Loch. Denn Lohoff selbst muss einräumen, dass es völlig offen bleibt, ob jemals die Arbeitskraftverausgabung in einer fernen Zukunft geschehen wird, was letztlich nichts anderes heißt, dass eine spätere Substanzbildung völlig ungewiss ist. Hier zeigt sich, zu welchen Fehlschlüssen das Verharren im methodologischen Individualismus führen kann. Damit besteht zwangsläufig ein wesentlicher Unterschied zwischen der Refinanzierung des Kapitals durch vorwiegenden Zugriff auf bereits realisierte vergangene Mehrwertproduktion (etwa in Form von Rücklagen) einerseits und durch vorwiegenden Zugriff auf noch gar nicht begonnene, geschweige denn realisierte, zukünftige Mehrwertproduktion (in Form des Kredits) andererseits. (vgl. Kurz 2012, 339)

Die Beantwortung der Frage nach dem Substanzbegriff verbindet sich zugleich mit der Beantwortung einer weiteren wesentlichen Frage, der nach dem kapitalistischen Reichtum. Marx beginnt den ersten Band des Kapitals bekanntlich mit der Feststellung, dass der „Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, … als eine ungeheure Warensammlung [erscheint]. (MEW 23, 49) Später verbindet Marx diesen Reichtum über den Begriff vom Wert mit der produktiven Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand, also mit dem Substanzbegriff. Der Wert und also das Kapital müssen mit Substanz, mit verausgabter menschlicher Arbeitskraft, „gefüllt“ sein, wenn Wert und Kapital kapitalistischen Reichtum darstellen sollen.

Selbstverständlich sind gewöhnliche Waren, die bereits vergegenständlichte Arbeit darstellen, kapitalistischer Reichtum. Jedoch stellt sich die gleiche Frage gegenüber Eigentumstiteln, die ja auch nach Lohoff einen Vorgriff auf zukünftige abstrakte Arbeit bedeuten. Stellen diese gleichfalls kapitalistischen Reichtum dar? Lohoff beantwortet diese Frage klar mit ja: „Auf ihre abweichende Weise repräsentieren Aktien oder Anleihen aber nicht minder kapitalistischen Reichtum wie jene Waren, die auf dem Gütermarkt reüssieren. Während die Wald- und Wiesenwaren tatsächlichen Wert, also das Ergebnis vergangener Privatarbeit verkörpern, verkörpern Eigentumstitel Vorgriff auf künftigen Wert. In der Beziehung Kreditgeber und Kreditnehmer, von Aktienemittent und Aktienkäufer entsteht damit eine Sorte kapitalistischen Reichtums, die erst einmal keinen Deut weniger wirklich ist als die auf der tatsächlichen Vernutzung lebendiger Arbeit gegründete Variante kapitalistischen Reichtums.“ (Lohoff/Trenkle 2012, 120) Eine Aussage, die nur möglich ist, verhält man sich so widersprüchlich zum Substanzbegriff wie eben Lohoff, und vor allem folgt man dem methodologischen Individualismus, denn die Betrachtung allein der Beziehungen zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer lässt die Bewegung des Gesamtkapitals völlig aus dem Blick. Aus der Sicht der Aktionäre, der Kreditgeber und Kreditnehmer, also aus der Sicht des Einzelkapitals freilich erscheinen Aktien und Kredite als Reichtum wie jeder andere, jedoch auf der Ebene des Gesamtkapitals bedeutet fiktives Kapital eben keinen kapitalistischen Reichtum, da ihm die Substanz – Nerv, Muskel, Hirn – fehlt, die Metamorphose des Kapitals ist beim fiktiven Kapital nicht vollständig, und das ist entscheidend!

Dem methodologischen Individualismus folgend kann Lohoff schlussfolgern, dass eben mit den Eigentumstiteln eine neue Ware entstanden sei, die den kapitalistischen Reichtum vermehrt ohne vorgängige Wertakkumulation. (vgl. Lohoff/Trenkle 2012, 128) Lohoff erkennt damit nicht, dass das Kapital als mysteriöse und selbstschöpferische Quelle des Kapitals nur erscheint, weil das direkte, unmittelbare Hecken von mehr Geld aus Geld nur ein Schein an der Marktoberfläche ist, denn der Zins ist immer nur ein Teil des Profits, d. h. des Mehrwerts, den der fungierende Kapitalist dem Arbeiter auspresst. (MEW 25, 405) Also nur wenn Arbeitsenergie tatsächlich in das Kapital fließt und somit dessen Substanz bildet, dann ist Kapital wirkliches Kapital, und nur Kapital mit Substanz bildet den abstrakten kapitalistischen Reichtum. Marx wählte daher mit Bedacht den Begriff des „fiktiven Kapitals“, aber Lohoff findet diesen Begriff etwas „unglücklich“ (Lohoff 2014, 20) und beweist damit, dass er wegen des fehlenden Substanzbegriffes und verharrend im methodologischen Individualismus nicht verstanden hat, welche Rolle das fiktive Kapital in der Metamorphose des Gesamtkapitals spielt. Da aber Eigentumstitel, wie auch von Lohoff und Krisis anerkannt wurde, einen Vorgriff auf zukünftige abstrakte Arbeit bedeuten, können sie keinen wirklichen, sondern nur scheinbaren Reichtum bedeuten, denn es fehlt eben den Eigentumstitel die Substanz, also Nerv, Muskel und Hirn. Die Metamorphose des Kapitals muss somit unvollständig bleiben. Damit wird der Vorgriff auf abstrakte Arbeit immer weiter in die Zukunft geschoben und zwangsläufig immer unhaltbarer mit den dann bekannten Folgen aller Kapitalbestandteile in einem Crash

Eben das Festhalten am Substanzbegriff und die Überwindung des methodologischen Individualismus bildet die Basis einer wertabspaltungskritischen Krisentheorie, die den Krisenmechanismus als einen sich objektiv auslösenden und sich objektiv verschärfenden Prozess der Entsubstantialisierung des Kapitals beschreibt. Bekanntlich ist die dritte industrielle Revolution auch dadurch charakterisiert, dass flächendeckend und ersatzlos abstrakte Arbeit vernichtet und damit im erheblichen Maße reduziert wird. Es fällt damit ein wesentlicher Kompensationsmechanismus weg, weswegen die notwendige Expansion des Mehrwertes zum Stillstand kommt, weil als letztlicher Grund der Krise schließlich die gesamtgesellschaftliche Masse von Wert und Mehrwert schrumpft, um die ein immer erbitterter Konkurrenzkampf tobt. Zum ersten Mal in der kapitalistischen Geschichte läuft die Rationalisierung der Verbilligung der Waren und der damit verbundenen Ausdehnung der Märkte davon. Die Verwissenschaftlichung der Produktion lässt zudem die organische Zusammensetzung des Kapitals steigen, das heißt, dass erheblich mehr Investitionen notwendig werden, um die gleiche Menge an Arbeitskraft zu vernutzen. Die damit verbundenen Vorauskosten können nunmehr nicht durch die eigene Finanzkraft der Unternehmen bewältigt werden, die Kredite erlangen eine völlig neue dominierende Rolle in der kapitalistischen Reproduktion, der permanente Zugriff auf das Kreditsystem wird zur conditio sine qua non für die weitere Marktteilnahme und damit für die Profitproduktion. (vgl. Kurz 2012, 328)

Diese beiden Prozesse führen dazu, dass die in vorhergehenden Produktionsperioden erwirtschafteten Profite immer weniger in kapitalproduktive Investitionen, sondern immer mehr an die Finanzmärkte fließen, um sich dort scheinbar ohne realen Verwertungsprozess, sprich substanzlos, weiter zu verwerten. Denn einerseits fehlt den zunehmend aus dem Arbeitsprozess ausgesonderten Menschen als Konsumenten das Geld zum Konsumieren, andererseits fehlt zunehmend den Einzelkapitalen das Geld, um für eine erweiterte Produktion auf dem notwendigen immer weiter steigenden Produktivitätsniveau die notwenigen Vorauskosten bereitzustellen. Diesen notleidenden Marktteilnehmern werden Kredite mittels des brachliegenden Geldkapitals bereitgestellt, was deren Zahlungsunfähigkeit nur hinausschiebt. Des Weiteren werden brachliegende Geldkapitalien in den Aktien- oder Immobilienmärkten angelegt, was deren Preise durchaus in die Höhe treiben könnte. In beiden Fällen können sich zwar die Besitzer solcher Eigentumstitel virtuell reich rechnen, der beschriebene objektive Prozess: die Entsubstantialisierung des Kapitals, wird damit nur befördert, und die dadurch induzierte Produktion und Konsumtion ohne reale wertsubstantielle Grundlage muss früher oder später durch das Platzen von Finanz-, Schulden- und Immobilienblasen sich als ungültig herausstellen.

Eben durch sein konsequentes Festhalten am Substanzbegriff identifiziert Kurz einen „gewaltigen Unterschied zwischen der Refinanzierung des Kapitals durch vorwiegenden Zugriff auf bereits realisierte vergangene Mehrwertproduktion (etwa in Form von Rücklagen) einerseits und durch vorwiegenden Zugriff auf noch gar nicht begonnene, geschweige denn realisierte zukünftige Mehrwertproduktion (in Form des Kredits) andererseits. Mögen sich auch schon immer beide Formen der Refinanzierung gemischt haben, so bildet doch die relative Steigerung der zweiten (analog zur relativen Steigerung des Anteils von c in der organischen Zusammensetzung des Kapitals) eine nicht bloß quantitative, sondern ebenso wie der Fall der Profitrate auch eine qualitative Veränderung in der Reproduktion des Kapitals.“ (Kurz 2012, 329)

Diesen Unterschied in der Refinanzierung des Kapitals sehen Lohoff und Krisis nicht. „Dem Geld sieht man nicht an, wo es herkommt.“ (Lohoff/Trenkle 2012, 136) formuliert Lohoff kurz und bündig, und dies kann er so formulieren, weil für ihn Eigentumstitel – also nach seiner Lesart Waren 2ter Ordnung – kapitalistischen Reichtum darstellen wie eben gewöhnliche Waren. Und in der Tat, verbleibt man auf der empirischen Ebene des Einzelkapitals, ist dieser Unterschied nicht erkennbar und dem Einzelkapital schlicht egal. Weil aber Geld nicht, wie es Lohoff verbleibend auf der Ebene des Einzelkapitals bestimmt, als allgemeines Äquivalent dient und nicht, auf die Ebene des Gesamtkapitals bezogen, der gesellschaftliche Gebrauchswert des Geldes besteht darin, den abstrakten Wert aller anderen Waren auszudrücken oder real darzustellen, können Lohoff und Krisis diesen Unterschied einfach nicht erkennen. Geld und somit Kapital verkörpert aber nur Wert, wenn er/es Substanz beinhaltet, substanzloses Kapital, wie auch substanzloses Geld, also Geld ohne Wert, stellen keinen kapitalistischen Reichtum dar!

„Die Form des allgemeinen Äquivalents kann eben nicht darin bestehen, dass der stofflich-naturale Gebrauchswert der einen Waren den Wert bzw. Tauschwert der anderen Ware darstellt, sondern es ist gerade der abstrakte Wertgehalt der Geldware als unmittelbarer Repräsentant vergangener abstrakt-menschlicher Arbeitsenergie, die ihm im Unterschied zu allen anderen Waren, denen diese unmittelbar-individuelle Repräsentanz gerade nicht zukommt, gewissermaßen den Meta-Gebrauchswert verleiht, den Anteil aller Waren an der gesellschaftlichen Wertsubstanz auszudrücken.“ (Kurz, 2012, 222) Die Entwertung des Geldes drückt also den objektiven Prozess der Entsubstantialisierung des Kapitals aus. Auf der empirischen Ebene des Einzelkapitals ist dieser Prozess freilich nicht erkennbar, hier offenbart sich dieser objektive Prozess auch durch das Reißen der Kreditketten.

Folglich können Lohoff und Krisis aufgrund des fehlenden Substanzbegriffes und verharrend im methodologischen Individualismus den objektiven Charakter des Krisenprozesses nicht erkennen. Im Gegenteil: Lohoff behauptet, dass das Band zwischen „den beiden Abteilungen des Warenkosmos hochgradig elastisch und unzerreißbar“ (Lohoff, Trenkle, 2012, 158) sei. Wir lesen weiter, dass bei der Untersuchung eines einzelnen Finanztitels deutlich wird, dass sich der Wert, den sein Verkäufer voraussichtlich in der Zukunft in den Händen halten wird, heute schon beim Käufer als Kapital darstellen kann.

Abgesehen davon, dass man keinen Wert verkaufen kann, bedient sich Lohoff zur Begründung dieses Kunststückes einer Vorabkapitalisierung eines noch gar nicht vorhandenen Wertes bedient sich Lohoff in höchst eigentümlicher Weise eines Vergleiches aus der Natur, nämlich dass zu Eis gefrierendes Wasser bei entsprechend fallender Temperatur unter 0 °C, flüssiges Wasser verschwinden lässt, und umgekehrt bei ansteigender Temperatur flüssiges Wasser zu Ungunsten des Eises wieder entstehen lässt und im globalen Maßstab die Meeresspiegel entsprechend fallen und steigen lässt, um dann fort zu fahren: „In der Fetischwelt der Ökonomie existiert mit dem Kapital ein ganz besonderer ‚Stoff‘, für dessen Gesamthaushalt die umgekehrte Gesetzmäßigkeit gilt. Der Pegelstand des fungierenden Kapitals steigt mit der Entstehung von fiktivem Kapital und fällt, wenn fiktives Kapital schmilzt.“ (Lohoff/Trenkle 2012, 158)

Blasen aus fiktivem Kapital entstehen, weil Gewinne in der „Realwirtschaft“ nicht verwertbar sind, in die Finanzmärkte zurückgeschleust werden und sich dort substanzlos vermehren. In dieser scheinbaren erweiterten Reproduktion des Kapitals oder in seinem Kreislauf klafft eine Lücke, die der substanzbildenden abstrakten Arbeit, die aber in die Zukunft verlagert wurde. Diese Lücke kann eben nur zeitweilig durch substanzlosen Wert überbrückt werden, durch Kredite für mangelnde Nachfrage beim Konsumenten und Kredite für Vorauskosten beim Produzenten. Daher muss die aus substanzloser Geldschöpfung generierte Produktion sich beim Platzen der Blase zwangsläufig als ungültig erweisen, wie es die Immobilienkrise von 2008 anschaulich demonstrierte. Diesen wesentlichen Unterschied zwischen Produktion generiert aus substanzbehafteten Geld und Produktion generiert aus substanzlosem Geld, also Geld ohne Wert, erkennen Lohoff und Krisis einfach nicht. Deswegen erscheint ihm ein Zusammenhang zwischen fungierendem und fiktivem Kapital, dahingehend, dass die Entstehung von fiktivem Kapital zur Vermehrung von fungierendem Kapital führe, was aber aus der Sicht des Gesamtprozesses nur substanzloses Kapital sein kann.

Die Entsubstantialisierung des Kapitals lässt den berühmten Satz von Karl Marx in den Grundrissen auch unter diesem Aspekt lesen: „Sobald die Arbeit in unmittelbarer Form aufgehört hat, die große Quelle des Reichtums zu sein, hört und muss aufhören die Arbeitszeit sein Maß zu sein und daher Tauschwert [das Maß] des Gebrauchswerts. … Damit bricht die auf dem Tauschwert ruhnde Produktion zusammen, und der unmittelbare materielle Produktionsprozess erhält selbst die Form der Notdürftigkeit und Gegensätzlichkeit abgestreift.“ (Marx 1974 zuerst 1857-58, 593)

Im Gegensatz zu Postone aber, der sich mit seinem Theorem der Rekonstitution des Wertes einer Krisentheorie versperrt, halten Lohoff und Krisis jedoch an der inneren Schranke des Kapitals fest. Damit tappen sie geradewegs in die von ihnen selbst gestellte Falle hinein. Denn wie soll nun eine aus innerer Schranke begründete Krisentheorie ohne konsequentes Festhalten am Substanzbegriff und auf der empirischen Ebene des Einzelkapitals begründet werden. Dies bereitet Lohoff mit folgender Wendung vor: „Die Schaffung von Waren 2ter Ordnung ist letztlich daran gebunden, dass dabei die realwirtschaftlichen Bezugspunkte mit Kapital versorgt werden. Das erklärt, wieso überhaupt die Akkumulation von fiktivem Kapital zu einem Motor des kapitalistischen Gesamtbetriebs werden kann. Die Schnittstelle zur Realwirtschaft stellt aber zugleich die Schwachstelle dieser Form kapitalistischer Reichtumsvermehrung dar, und das in doppelter Hinsicht. Es müssen ausreichend Bezugspunkte vorhanden sein und neu hervorgebracht werden, auf die sich die Erwartungen an zukünftige Profite richten können ; es bedarf also realwirtschaftlicher Hoffnungsträger, damit die Bildung von fiktivem Kapital auf Touren kommt bzw. ungestört weiterlaufen kann. Umgekehrt schlägt eine Vernichtung von fiktivem Kapital unweigerlich auf die reale Akkumulation zurück.“ (Lohoff/Trenkle 2012, 158) Dies verbindet Lohoff mit der für ihn entscheidenden Frage: „Kann er [der Kapitalismus, BC] unbegrenzt auf künftigen Wert vorgreifen, oder stellt dieser Vorgriff eine endliche ‚Ressource‘ dar, die sich selbst finanzindustriell nicht auf Dauer herstellen lässt.“ (Lohoff/Trenkle 2012, 256; Herv. i. O.) Und er fährt mit seiner Argumentation fort: „Die Vorabkapitalisierung von Wert greift keineswegs auf eine unbestimmte allgemeine Zukunft vor ; kapitalisiert werden vielmehr viele einzelne Renditeerwartungen, die sich an konkrete Einzelakteure knüpfen müssen. Die Vorstellung fiktives Kapital werde aus dem ‚Nichts‘ geschaffen, mag äußerst populär sein, sie ist aber grundfalsch. Das Nichts ist kein Nichts. So wie die Bildung von Wert, so ist auch die Vorabkapitalisierung von Wert als ein spezifisches gesellschaftliches Verhältnis zu begreifen.“ (Lohoff/Trenkle, 2012, 257) Die asiatische und innereuropäische Defizitökonomie, die eine Kreditfinanzierung von Konsum einerseits und Produktion andererseits – in ihrer Größenordnung historisch einmalig – ; die Flutung der Finanzmärkte mit „frischem“ aber substanzlosen Geld, beispielsweise in der jüngsten Vergangenheit durch die FED mit 85 Mrd $ monatlich und aktuell durch die Europäische Zentralbank mit 65 Mrd. € monatlich; und schließlich der Aufkauf von „Schrottpapieren“ durch die Zentralbanken beweisen genau das Gegenteil, denn dies die Geldschöpfung aus dem Nichts. Diese substanzlose Geld gelangt an die Finanzmärkte und wird zu substanzlosen Kapital

 

„Der Eigentumstitelkäufer muss an die spätere Rückzahlungsfähigkeit seines Gegenübers glauben können.“ (Lohoff/Trenkle 2012, 257) Anstatt wertabspaltungskritisch objektive Tatbestände zu beschreiben und zu analysieren, muss bei Lohoff und Krisis flugs eine subjektive Ermessensfrage, ja ein Glaubenssatz zur Begründung herhalten. Aus diesem Glaubenssatz saugt Lohoff seine ganze Krisentheorie, die Krisentheorie „realwirtschaftlicher Hoffnungsträger“. (Lohoff, Trenkle, 2012, 158) Das erinnert an die wunderbare Metapher, die Tomasz Konicz in seinem Artikel „Finanzblasenentzündung“ – erschienen in Konkret 04/14 – ausgewählt hat. In einer Szene des Cartoons „Road Runner“ von Warner Bros. wird gezeigt, wie der Kojote bei seinen Verfolgungsjagden über die Klippen eines tiefen Abgrunds zunächst in der Luft weiter läuft. Erst als er den verlorenen Boden tatsächlich erkennt, folgt der tiefe Fall. Diese Allegorie sagt uns, dass der Glaube oder die Gewissheit an einen sicheren Untergrund erst verloren gehen kann, wenn deren Basis tatsächlich verloren gegangen ist. Die Krise von 2008 zeigte klar, erst als seit 2006 der Immobilienboom in den USA tatsächlich verebbte und in der Folge Haus- und Wohnungsbesitzer ihre Hypothekenzinsen nicht mehr bezahlen konnten, also Kreditketten massenhaft rissen, ging der allgemeine sichere Glaube an ständig steigende Immobilienpreise verloren; aber nur als Folge von wertlosen verbrieften Wertpapieren, deren Wertlosigkeit erst zu Tage trat, als die Haus- und Wohnungsbesitzer ihre Hypothekenzinsen nicht mehr bezahlen konnten, und infolgedessen brach der Aktienmarkt zusammen. Der Glaube an die jeweilige Höhe der Werte der Aktien musste dann verloren gehen, genau weil das darin dargestellte Kapital tatsächlich substanzlos war. Das bedeutet, dass Erwartungen und Glauben werden immer durch Realitäten bestimmt, eingeholt oder auch durch diese korrigiert. Also das Platzen von substanzlosen Finanz- und Spekulationsblasen, das massenhafte Reißen von Kreditketten sind Ereignisse aufgrund des objektiven Prozesses der Entsubstantialisierung des Kapitals, die die Krisen auslösen und erst dann wahrgenommen werden. Bei Lohoff ist es jedoch umgekehrt. Ihm muss die Frage gestellt werden: Läuft der objektive Krisenprozess des Kapitals nach subjektivem Ermessen ab, und worauf oder auf welchen objektiven Tatbeständen gründet sich dieses Ermessen, und die Antwort auf genau diese Fragen bleibt uns Lohoff schuldig. Er speist uns ab lediglich mit: „Fiktive Kapitalschöpfung ist also auf eine Ressource angewiesen, die sich selber nicht finanzindustriell schaffen lässt: auf realwirtschaftliche Hoffnungsträger. … zum anderen bedarf es regelmäßig neuer Hoffnungsträger, welche die aufgebrauchten ersetzen können. Solange der Nachschub gesichert ist, ist auch die Vorabkapitalisierungspotenz des inversen Kapitalismus gesichert. Wird er vorübergehend unterbrochen, kommt es zu einem Kriseneinbruch…“ (Lohoff/Trenkle 2012, 258) Der Kriseneinbruch ist nach dieser Lesart eine subjektive Ermessensfrage. Einen objektiv verursachten und verlaufenden Krisenprozess sieht Lohoff nicht, denn „Maßgeblich dafür, wann der Punkt erreicht ist, sind aber nicht unmittelbar irgendwelche statistischen Größen, sondern wie die potentiellen Käufer die objektive Situation des Landes einschätzen. Auch von vorherein irreale einzelbetriebliche Renditeerwartungen können über geraume Zeit hinweg als plausibel erscheinen und der Bildung von fiktivemKapital erst einmal als Grundlage dienen, wie der New-Economy-Boom der 1990er Jahre überdeutlich gemacht hat.“ Und: „Erwartungen sind aber etwas Unscharfes, was sich nicht ohne weiteres objektivieren lässt.“ (Lohoff/Trenkle 2012, 259) Vor allem aber krankt der inverse Kapitalismus daran, dass er seinen Bedarf an frischen Hoffnungsträgern nicht dauerhaft decken kann.

Und mehr noch: „Als Ware gewordene Renditeaussicht sind Finanzmarktprodukte abgeleitete Waren. Ihre Fähigkeit, qua Antizipation künftiger Wertschöpfung kapitalistischen Reichtum zu verkörpern, wird wesentlich davon beeinflusst, wie sich die Perspektiven für den realwirtschaftlichen Bezugspunkt verändern, auf denen sich die betreffenden Eigentumstitel beziehen. Erweisen sich die in einen bestimmten realwirtschaftlichen Sektor gesetzten Gewinnerwartungen nachträglich als uneinlösbar, schlägt das unweigerlich auf die diesem Bereich zugeordneten Eigentumstitel zurück. Eine explosionsartige Vermehrung von Immobilienkrediten findet keine Fortsetzung mehr, sobald sich die Aussicht auf steigende Immobilienpreise verflüchtigt.“ (Lohoff/Trenkle 2012, 257f.) Dies kann gelesen werden als eine Beschreibung eines Herdentriebs, dahingehend, dass viele Anleger an der Börse gerne das tun, was die breite Masse macht, wenn also ein Einzelner oder eine Gruppe von Anlegern auf eine nachträglich sich als uneinlösbar erweist, schließt sich eine immer breitere Masse von Anlegern ihren Reaktionen an und eine ganze Branche wird vermeintlich in diesen Sog hineingezogen. Ein in Bankenkreisen übliche Erklärung, die jedoch bestenfalls die Oberfläche darstellt, und das ist schon äußerst problematisch.

Und hier wird Lohoff durchaus widersprüchlich, denn zuerst lesen wir: „Auf ihre abweichende Weise repräsentieren Aktien oder Anleihen aber nicht minder kapitalistischen Reichtum wie jene Waren, die auf dem Gütermarkt reüssieren. … In der Beziehung Kreditgeber und Kreditnehmer, von Aktienemittent und Aktienkäufer entsteht damit eine Sorte kapitalistischen Reichtums, die erst einmal keinen Deut weniger wirklich ist als die auf der tatsächlichen Vernutzung lebendiger Arbeit gegründete Variante kapitalistischen Reichtums“ (Lohoff, Trenkle, 2012, 120) heißt es nun später „Denn der Transfer künftigen kapitalistischen Reichtums in die Gegenwart…“ (Lohoff, Trenkle, 2012, 257) und der geneigte Leser muss sich fragen: ist der Reichtum nur wirklich oder erst zukünftig? Oder ist schon die Antizipation künftiger Wertschöpfung ist also kapitalistischer Reichtum! Hier kann man exemplarisch sehen, wohin die Suche nach einer Begründung der inneren Schranke des Kapitals führen kann, wenn sie nicht auf dem Substanzbegriff fußt und also im methodologischen Individualismus verharrt. Renditen oder deren Ausbleiben, ausbleibende Gewinne einzelner Unternehmen oder einer Gruppe von Unternehmen in einem Sektor, die dann auf Sektor zurückschlagen (Lohoff, Trenkle, 2012, 258), all solche Argumente kann man bei bürgerlichen BWL Ökonomen oder direkt an der Börse vernehmen, dass sie nunmehr in sich wertkritisch definierenden Krisis-Kreisen auftauchen, ist schon erschreckend!

Was uns Lohoff mit seinem Theorem von der Ware 2ter Ordnung vorstellt, ist eine „Krisentheorie“, die auf Hoffnungsträger, also subjektiven Erwartungen, gründet, ist letztlich eine „Krisentheorie“, die nach Lohoff lediglich eine Ermessensfrage ist, sie ist also eine Krisentheorie, die ihren Namen absolut nicht verdient.

Zusammenfassend kann also gesagt werden: das Buch von Lohoff und Trenkle trägt, trotz des in diesem Buch angebotenen wertvollen empirischen Materials, nicht zur Weiterentwicklung einer wertkritischen Theorie bei, sondern belegt vielmehr einer der vielen fundamentalen Unterschiede zwischen „Krisis“ und „Exit“.

Der fehlende Substanzbegriff bei Krisis führt zu einem Reichtumsbegriff, der nicht auf die Substanz abstrakter Arbeit gründet und damit den wesentlichen Unterschied zwischen fungierndem Kapital und fiktivem Kapital und deren Geldform verwischt und sich damit – auch im Verharren im methodologischen Individualismus – jeglicher objektiver Krisentheorie versperrt. Auch weil der Unterschied „zwischen der Refinanzierung des Kapitals durch vorwiegenden Zugriff auf bereits realisierte vergangene Mehrwertproduktion (etwa in Form von Rücklagen) einerseits und durch vorwiegenden Zugriff auf noch gar nicht begonnene, geschweige denn realisierte zukünftige Mehrwertproduktion (in Form des Kredits) andererseits.“ (Kurz, 2012, 329) nicht erkannt wird.

Stattdessen wird die Flucht zu einem subjektivistischen Krisenbegriff angetreten, der auf „Hoffnungsträger“ also letztlich auf Erwartungshaltungen gründet und für eine wertkritische Betrachtungsweise völlig fehl am Platze, ja blamabel ist. Das bedeutet absolut keine theoretische Weiterentwicklung, sondern eine ausweglose Sackgasse, in der sich Krisis hinein begeben hat. Eine Situation, die offensichtlich für Krisis charakteristisch ist.

Literatur:




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