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Richard Aabromeit: Die wundersamen Wandlungen der Wertschöpfung [de, pt, it]


Translation [pt]: As transformações milagrosas da criação de valor. Uma pequena história

Traslation [it]: Le miracolose trasformazioni della creazione del valore Una piccola storia

Richard Aabromeit

Die wundersamen Wandlungen der Wertschöpfung

Eine Kurzgeschichte

Die Wiederholung eines nicht wert-schaffenden Akts
kann nie ein Akt der Wertschöpfung werden.
(Karl Marx, MEW 42)
Wertschöpfung in Euro =
Produktionskosten minus Vorleistungen minus Abschreibungen
minus Indirekte Steuern plus Subventionen
(BWL – Weisheit)

Die Wertschöpfung in der kapitalistischen Wirtschaft ist seit rund vierhundert Jahren eine feste Größe, aber auch immer wieder Thema von Diskussionen ökonomischer, politischer, sozialer, ja auch moralischer Art. Was früher in Büchern gewälzt wurde und zu immer neuen Büchern führte, wird heute zu einem nennenswerten Teil im Internet hochgeladen, kommuniziert. So stieß ich beim Surfen ebendort vor einigen Monaten auf den Begriff der „digitalen Wertschöpfung“ bzw. der „digitalen Wertschöpfungsketten“. Jetzt war also auch der Wert bzw. seine Schöpfung, seine Produktion, der Digitalisierung anheimgefallen. Wie konnte eine realabstrakte Kategorie „digitalisiert“ werden? Das war nicht sofort einsichtig – also habe ich ein wenig recherchiert, um die Historie dieses Neologismus` ein wenig aufzuhellen – und die Kurzgeschichte war fertig!

Der Ursprung

Die erste Wandlung

Die zweite Wandlung

Die dritte Wandlung

Die vierte Wandlung

Die fünfte Wandlung

Die bittere Realität als Kontrast

Nun ist die Wertproduktion oder genauer: die Wertverwertung um ihrer selbst willen, in der Tat alles andere als anschaulich und daher für viele nicht auf Anhieb (und damit leider so gut wie nie) begreiflich. Dies liegt an dem weit verbreiteten und sich immer weiter ausbreitenden Tabu der Abstraktion: was nicht konkret rezipient ist, das ist nicht real, kann gar nicht real sein, in Verbindung mit einem Betroffenheitswahn, hinter dem sich alle verstecken, die nicht über den Tellerrand des unmittelbar Wahrnehmbaren hinausschauen können oder wollen. Daher können nur die wenigsten etwas mit dem Realabstraktum „Wert“ anfangen. Schon das Erstellen von Hundertausenden Betoneinheiten, sprich: Wohnungen, Häuser, etc., in Spanien oder in der VR China, stellt für die geistigen Tiefflieger auf jeden Fall irgendeine Art von „Wert“ dar – schließlich haben sich Abertausende von Arbeiter/inne/n über Monate und Jahre abgemüht, diese Gebäude zu errichten und dabei Beton, Stahl, Holz, Kunststoffe u. v. m. verbaut, und am Ende das Ganze auf dem Markt angepriesen; so etwas muss ja geradezu Wertschöpfung sein! Dass diese Geisterstädte und -dörfer auf Pump, auf Kredit, produziert wurden, und nach Fertigstellung aber keine/n Käufer/in gefunden haben, ist für die meisten Beobachter/innen einfach nur Pech im großen Spiel um Marktanteile, Marktrisiken und Profite. Aber bereits die Tatsache, dass diese Immobilien zwar hergestellt, aber nicht verkauft werden können, müsste alle diejenigen stutzig machen, die zumindest wissen, dass der produzierte (Mehr-) Wert sich auf dem Markt auch bewähren muss, die Ware also auch verkauft werden muss; andernfalls, also wenn kein Geschäft zustande kommt, wird rückwirkend die – tatsächliche oder auch fiktive – Wertproduktion für gesellschaftlich ungültig erklärt! Aber in diesem Fall der chinesischen und spanischen Betonphantasien ist es noch eine Stufe schlimmer. Da fast alle Geldmittel, die bei den jeweiligen Bauvorhaben zur Finanzierung eingesetzt wurden, aus mehr oder weniger langen Kreditketten stammen, kann man noch nicht einmal davon ausgehen, dass diese Geldmittel selber Wert repräsentieren, sondern über mehr oder weniger lange Zeiträume hinweg lediglich ein Versprechen (oder die Hoffnung) auf Mehrwertproduktion darstellten. Somit steckt weder produzierter Wert in diesen Betonbergen, noch wurde ein solcher je realisiert; anders gesagt: das ganze konkrete Massengrab der unverkauften Immobilien ist nichts anderes als eine irreale Phantasie von verzweifelt nach Anlagemöglichkeiten suchenden Geld- bzw. Kapitalbesitzer/innen. Wertschöpfung hat zu keinem Zeitpunkt stattgefunden. Das kommt davon, wenn man nicht zur Kenntnis nehmen will, was Claus Peter Ortlieb verdeutlicht: „Der Wert ist die vorherrschende, nicht-stoffliche Form des Reichtums im Kapitalismus, auf die stoffliche Gestalt des wertförmigen Reichtums kommt es dabei nicht an.“ (Ortlieb 2009: 27).

Wir haben also gesehen, wie sich alle möglichen kleinen, mittleren und auch größeren Geisterinnen und Geister die Wandlungen der Wertschöpfung nicht nur staunend angesehen haben, sondern in verschiedener Weise auch ihren aktiven Beitrag dazu geleistet haben, dass dieses tragikomische Schauspiel der Wandlungen der Wertschöpfung auch real aufgeführt werden konnte. Wenn schon Wertschöpfung heute mehr oder weniger als Ergebnis einer algebraischen Operation in den Wirtschaftsbetrieben jeder beliebigen Art und im Finanzamt, oder auch in den Instituten der Wirtschaftsweisen angesehen wird, anstatt als das Ergebnis einer menschlichen Tätigkeit, nämlich Verausgabung von Arbeit überhaupt, dann wird vorstellbar, was noch zu tun sein wird, um die verheerenden Auswirkungen des gesellschaftlichen Krisenprozesses gigantischen Ausmaßes wie wir ihn derzeit – in Zeitlupe! – erleben, auf die Theoriebildung und auch auf das Denkvermögen der Mehrheit der Bevölkerung abzumildern oder auch gänzlich zu beseitigen.

Literatur:





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